Redlichkeit

Dieser Blog wird geschrieben von Jon Baptist Erlenkötter. Ältere Beiträge von Reinhard Pfarrpfeifer. Die redlichen Heimseiten waren das Gesichtsbuch des ersten Jahrzehnts. Soziale Medien, die bei Jugendlichen sehr beliebt waren und zu einer Verbesserung der Weltsituation geführt haben. Doch dann schlief die Bewegung ein. Nach Jahren der Lethargie bin ich, also Jon Baptist Erlenkötter, wieder am keuschen Drücker, wie man so schön sagt. Die alte Bewegung bekommt man nicht mehr in Schwung, dennoch interessieren den einen oder anderen sicher meine innovativen Gedanken.


Ist das klar?
Rache ist süß

Werte Leser,

mit Tränen in den Augen zog mein Nachbar, Herr Schmidt, heute aus unserem Haus aus. Ein Umzugsunternehmen konnte er sich nicht leisten, all seine Freunde hatte er verprellt, am Ende zog er die Schränke einzeln mit einer Sackkarre kilometerweit zu seiner neuen Sozialwohnung.

Aber von vorne. Es war Frühling, und ich saß gerade bei einem Glas Wasser auf dem Balkon. Zu dieser Zeit gibt es noch keine Wespen, und eigentlich könnte man den Balkonbesuch genießen. Wenn da nicht der Schmidt wäre. Insbesondere am Sonntag störte er - seine ganze Familie saß dann immer rauchend auf dem Balkon, oft wurde gar noch ein Radio laufengelassen, das ich dann mithören musste.

Als ich mit hochrotem Kopf vor seiner Türe stand, die Arme in die Hüften gestemmt und auf Streit gepolt, um ihn darauf hinzuweisen, dass mich die Raucherei und das Radio stören würde, lächelte er mich an und meinte, mir könne man es ja gar nicht recht machen. Er würde meistens schon meinetwegen vor die Tür gehen, aber die sonntäglichen Familienbesuche sollten nun wirklich nicht von einem Miesepeter wie mir - so drückte er sich tatsächlich aus - gestört werden. Seine Frau hätte aus Angst vor mir schon ihren Zigarettenkonsum gedrosselt. So ein Quatsch! Auf meiner Strichliste fehlten vielleicht 2 oder 3 Zigaretten pro Tag, das waren gute 10%. Zu wenig, um als Höflichkeit durchzugehen.

Zu viel ist zu viel, und so schmiedete ich einen perfiden Racheplan.

Zunächst meldete ich mich im Internetz unter dem Namen des Herrn Schmidt in einem Seitensprungportal an. Dort konnte man sehr viele "Sex"-Stellungen anklicken - bis dahin war mir gar nicht bewusst, dass es mehr als 2 gibt. Widerlich! Solche Ekelportale sind nicht kostenlos, und die Rechnung, das forderte ich explizit so an, sollte per Brief geschickt werden.

Tagelang wartete ich, bis der Brief einging. Und tatsächlich war es bald so weit. Es gab einen riesigen Streit mit seiner Frau, Türen flogen, Geschirr knallte auf den Boden - und ich schmunzelte. Herrlich! Die Frau zog bald aus und nahm die Kinder mit sich - und ich schmunzelte. Schmidt war zutiefst deprimiert - und ich schmunzelte jedes Mal und staunte, wie sehr einem das ins Gesicht geschrieben stehen kann.

Aber ich war immer noch sauer. Also meldete ich beim Gesichtsbuch ein neues Profil auf den Namen des Herrn Schmidt an. Sogar ein Profilbild konnte ich nutzen - von seiner Firmenseite geklaut. Unter diesem Namen mischte ich in den übelsten Flüchtlingsdebatten mit und orientierte mich dabei am untersten Gesichtsbuchniveau. Viehzeug, Gewaltfantasien etc. Ein Blick auf Kommentare auf Pegida.de reichte für Anregungen.

Herr Schmidt ist - nein war - beim Einwohnermeldeamt tätig. Als dieses einen geheimen Tipp mit dem Gesichtsbuchprofil zugesandt bekam, suspendierte es ihn vom Dienst. Gegen die folgende Entlassung legte er keine Rechtsmittel ein, weil diese zwar per Einschreiben zugestellt wurde, er sie aber dennoch nie erhalten hat. Zum Glück sind die Einschreiben-Postboten andere als die normalen, so reichte mir für dieses kleine Kunststück ein neues Klingelschild und ein "Moment, ich suche meinen Ausweis, der muss hier irgendwo in dem Stapel sein."

Das Gesichtsbuchprofil war auch praktisch, als ich Ausdrucke - geschmückt mit seinem Konterfei - an seine Eltern sandte. Die Eltern, das müssen Sie wissen, sind Altgrüne, wie man sie sie vorstellt. Ich habe sie seither an keinem Sonntag mehr gesehen. Von seiner Frau, seiner Familie und seiner Arbeit getrennt - das tat weh. Ich musste schmunzeln.

Nun bewohnt er eine Ein-Zimmer-Wohnung im Hochhaus eines Problemviertels. Hoffentlich sehe ich ihn nie wieder.

Übrigens: Heute zogen die neuen Nachbarn ein. Sie hängten einen im Wind klingenden Traumfänger auf und hatten dabei Zigaretten im Mund.

Das kann ja was werden.

MkG J.B.E.

31.3.16 11:03
 
Letzte Einträge: Kaffeekränzchen mit Neidhard Votze, Ode an die Landungsbrücken, Meine Jugend, Der Fahrstuhl im S-Bahnhof


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Dieter Bohlen / Website (21.9.16 14:12)
Escht lustisch! isch schieb'n lachkiqq!!! Bewirb dich doch mal als Gagschreiber bei Fips Asmussen!


Hausmeister Krause (23.6.17 15:09)
Es reicht, Erlenkötter. Morgen kommt die fristlose Kündigung. Und ich klage sofort auf Räumung-. Dann landest du in der Asi- Baracke un dein versffener "Onkel" kommt endlich in die Jeckenmühle!
Tschöh, aber mit großem Ö!
Hausmeister Krause

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